Wie alles begann … meine erste Ratsfraktionssitzung

Euch jetzt zu erzählen, wie ich zur Politik kam, bzw. was mich wann politisierte, könnte etwas länger dauern. Außerdem ist es vielleicht auch gar kein richtiger „Termin“ an, dem es losging, eher ein langsamer, aber stetiger Prozess. Deshalb werde ich das einfach mal vertagen und euch stattdessen erzählen, wie ich zur Kommunalpolitik kam. Das geht sicherlich etwas schneller und ist auch greifbarer. Zum Beispiel, wenn ihr selbst ebenfalls darüber nachdenkt, kommunalpolitisch aktiv zu werden.

Ausgangslage: Ich äußere mich gern zu politischen Themen, und natürlich habe ich da auch „Herzensthemen“, die mir wichtiger sind als andere (die ich im Laufe der Zeit sicher häufiger erörtern werde). Dabei habe ich festgestellt, dass diese Themen sich meist entweder in Europa entscheiden – oder auf kommunaler Ebene, ganz real hier in Kiel. Was lag da näher, als mal zu einem kommunalpolitischen Infoseminar zu gehen? So eines wurde vor einigen Jahren von der grünen Ratsfraktion angeboten und ich war erstaunt, was ich alles nicht wusste über die Abläufe in der Kommunalpolitik. Damals war ich noch Mitarbeiter in einem kommerziellen Sportbetrieb, daher wollte man mich direkt für den Bereich „Schule und Sport“ verhaften. Aber nee, das war einfach nicht mein Thema. Digitale Bürgerrechte, Breitbandausbau, Netzneutralität – sowas wollte ich!

Drei Jahre später war alles anders: Seit zwei Jahren war ich nun schon für den Kieler Sportverein KMTV tätig und hatte die volle Breitseite an Anträgen, Vernetzung und Kommunikation mit Ämtern und Behörden mitbekommen. Was für uns als großem Verein mit festangestellten Mitarbeitern noch hinkriegbar ist, stellte ich mir für kleine Vereine mit einigen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern in der Geschäftsstelle höchst schwierig vor. Das musste doch – gesetzeskonform – irgendwie einfacher gehen?

Wenn ich irgendetwas gelernt habe, dann bei Unklarheiten oder Verbesserungswünschen einfach mal direkt nachzufragen. Das hatte mir in der Vergangenheit bereits einige Erfolge beschert, also reaktivierte ich den Kontakt zur grünen Ratsfraktion. Aus dem Michael aus dem Fraktionsbüro war der Tim aus dem Fraktionsbüro geworden und ich wurde direkt eingeladen, mal in den Arbeitskreisen und der Ratsfraktionssitzung vorbeizuschauen – die seien alle öffentlich. Danach folgten regelmäßig Infomails mit Einladungen und vielen Inhalten.

Meine erste Ratsfraktionssitzung

Einfach so hingehen? Na gut. Leise schlich ich mich in die sogenante „Rotunde“ im Kieler Rathaus, wo eine kleine Gruppe Menschen eifrig tagte. Ein Arbeitskreis, wie ich feststellte, und direkt danach kamen noch mehr Leute durch die Tür zur richtigen Ratsfraktionssitzung. Ich wollte mich auf eine Bank im hinteren Bereich setzen, doch o.g. Tim sagte direkt zu mir „gleich hier vorn mit an den Tisch setzen, Daniela, hier wird direkt mitgearbeitet!“.  Mein Vorteil, dass es im Laufe des Abends um die Einführung von digitalen Arbeitsmaterialien für die kommende Ratsversammlung ging, welche die Papierflut eindämmen sollen (aka „iPads“). Da konnte ich direkt einige Mythen aus der Welt räumen. Außerdem beeindruckten mich die ersten Themen direkt:  Es ging zum Beispiel darum, die Strassenbaubeiträge abzuschaffen und dass an den Kieler Schulen durch die Ganztagsbetreuung auch die Toiletten häufiger gereinigt werden müssten. Solche „kleinen“ Dinge muss ja irgendjemand entscheiden und bezahlen und damit sind wir eigentlich schon mitten in der Kommunalpolitik. Höchst beeindruckt vom Wissen, dass man für solch eine Tätigkeit als Ratsmitglied haben muss, verließ ich die Veranstaltung mit dem Wunsch, hier gern aktiv in den Arbeitskreisen oder Ausschüssen mitarbeiten zu wollen, vielleicht irgendwann (2023, also in 5 Jahren ist ja die nächste Wahl) sogar als gewählte Ratsfrau.

Die Mitarbeit in der Kommunalpolitik ist eine ehrenamtliche Aufgabe neben dem Job. Daher haben sich die Mitglieder der Ratsfraktion gefreut, dass jemand sie im Bereich Breitensport (und anderen Themen) unterstützen will und haben für mich direkt mal einen Ansprechpartner vom Amt für Sportförderung in den Arbeitskreis „Bildung“ abgeholt. So konnten wir uns gemeinsam ein Bild davon machen, wie der aktuelle Stand in der Behörde und in der Zusammenarbeit mit den Vereinen ist. Ich konnte einige Fragen loswerden und den AK-Kollegen auch direkt welche beantworten. Spannend!

Tja, wie es dann passiert ist, dass ich bereits 2018 auf die Liste der Grünen gekommen bin, wie ich einige Nächte schlecht geschlafen und meine Vorstellungsrede für die Kreismitgliederversammlung ungefähr drölfundneunzig Mal umgeschrieben habe, erfahrt ihr ein anderes Mal 🙂

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